Rückruf und Leinenführigkeit trainieren – Sicher und entspannt unterwegs
Ein zuverlässiger Rückruf und eine lockere Leine gehören zu den wichtigsten Fähigkeiten für einen entspannten Alltag mit Hund. Trotzdem handelt es sich um zwei unterschiedliche Trainingsziele.
Bei der Leinenführigkeit lernt dein Hund, sich beim gemeinsamen Gehen an dir und eurem Tempo zu orientieren. Beim Rückruf soll er eine aktuelle Beschäftigung unterbrechen und zu dir zurückkommen.
Wenn du Rückruf und Leinenführigkeit trainieren möchtest, solltest du beide Fähigkeiten deshalb zunächst getrennt aufbauen.
Wie trainiere ich eine lockere Leine?
Beginne an einem Ort, an dem dein Hund noch gut ansprechbar ist. Ein ruhiger Spazierweg oder eine wenig belebte Fläche eignet sich besser als eine Umgebung voller Hunde, Menschen und interessanter Gerüche.
Ziel muss dabei kein perfektes „Fuß“ sein. Für den normalen Spaziergang reicht häufig, dass die Leine locker bleibt und dein Hund regelmäßig auf dich achtet.
Freiwillige Orientierung belohnen
Schaut dein Hund von selbst zu dir, passt sein Tempo an oder läuft einige Schritte mit lockerer Leine, belohne diesen Moment.
Dadurch entsteht eine einfache Lernerfahrung:
Orientierung an meinem Menschen lohnt sich.
Was tun, wenn der Hund an der Leine zieht?
Wenn dein Hund an der Leine zieht, solltest du zunächst beobachten, in welchen Situationen das besonders häufig passiert.
Ist das Ziel sehr interessant? Ist die Umgebung zu aufregend? Oder hat dein Hund gelernt, dass Ziehen ihn schneller dorthin bringt, wo er hinmöchte?
Vermeide ruckartige Korrekturen. Eine Möglichkeit ist, die Vorwärtsbewegung kurz zu unterbrechen. Sobald dein Hund wieder Orientierung zeigt und die Leine locker wird, könnt ihr weitergehen.
Auch ein ruhiger Richtungswechsel kann helfen.
Nicht jeder Spaziergang muss eine Trainingseinheit sein
Dein Hund braucht Möglichkeiten zum Schnüffeln, Erkunden und Lösen.
Unterscheide deshalb zwischen kurzen bewussten Trainingsphasen und normalen Spaziergangsabschnitten. Ein Freigabesignal kann deinem Hund zeigen, wann er in einem vereinbarten Radius entspannter erkunden darf.
Wie kann ich den Rückruf trainieren?
Ein zuverlässiger Rückruf beim Hund beginnt unter leichten Bedingungen.
Wähle ein eindeutiges Signal und starte in einer Umgebung mit wenig Ablenkung. Rufe deinen Hund einmal. Bewegt er sich zu dir, bestätige ihn freundlich. Bei dir angekommen erhält er eine Belohnung, die in dieser Situation wirklich attraktiv ist.
Das kann Futter sein, ein kurzes Spiel oder die anschließende Freigabe zum Weiterschnüffeln.
Rückruf Schritt für Schritt aufbauen
Stufe 1: Sehr leichte Bedingungen
Trainiere zunächst in der Wohnung, im Garten oder in einer vergleichbar ruhigen Umgebung.
Stufe 2: Bekannte Außenbereiche
Gehe an einen Ort mit wenigen Ablenkungen.
Stufe 3: Moderate Ablenkung
Interessante Gerüche, größere Entfernung oder einzelne Umweltreize kommen hinzu.
Stufe 4: Anspruchsvollere Situationen
Erst wenn die vorherigen Stufen zuverlässig funktionieren, erhöhst du die Schwierigkeit weiter.
Eine geeignete Schleppleine kann während des Aufbaus zusätzliche Sicherheit bieten. Sie dient der Absicherung und nicht dazu, deinen Hund mit einem Ruck zurückzuholen.
Welche Fehler schwächen den Rückruf?
Das Signal wird mehrfach wiederholt
„Hier! Hier! Komm! Komm jetzt!“
Damit kann dein Hund lernen, dass das erste Signal nicht wichtig ist. Rufe möglichst einmal und zunächst nur in Situationen, in denen eine realistische Erfolgschance besteht.
Zurückkommen bedeutet immer Ende des Spaziergangs
Wird dein Hund ausschließlich gerufen, um angeleint zu werden und nach Hause zu gehen, verliert der Rückruf möglicherweise an Attraktivität.
Rufe ihn deshalb auch zwischendurch, belohne ihn und gib ihn anschließend wieder frei.
Der Hund wird nach dem Zurückkommen geschimpft
Auch wenn dein Hund länger gebraucht hat: Bestrafst du ihn nach seiner Rückkehr, kann ausgerechnet das Zurückkommen unangenehm werden.
Sicherheit geht vor Trainingsfortschritt
Kein Rückruf bietet eine Garantie für jede Situation.
Straßenverkehr, Wild, unübersichtliches Gelände und geltende Leinenpflichten erfordern entsprechendes Management.
Reagiert dein Hund an der Leine massiv auf andere Hunde oder Menschen, fixiert, bellt oder geht stark nach vorne, kann außerdem mehr dahinterstecken als reine Leinenführigkeit.
Wenn Aufregung generell ein Thema ist, hilft dir zusätzlich der Beitrag „Impulskontrolle und Ruhe beim Hund“.
Fazit: Verlässlichkeit entsteht Schritt für Schritt
Lockere Leine und zuverlässiger Rückruf entstehen nicht durch ein einziges Kommando, sondern durch viele erfolgreiche Wiederholungen.
Trainiere zunächst unter leichten Bedingungen und steigere jeweils nur eine Schwierigkeit: Ablenkung, Entfernung oder Dauer.
Möchtest du vermeiden, dass kleine Trainingsfehler eure Fortschritte unnötig bremsen? Im kostenlosen Report „Die 5 häufigsten Fehler beim Hundetraining“ findest du einen kompakten Selbstcheck.
